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Kontrolle bezüglich Änderungen von Polizeiaktivitäten und Aktivitäten zur Verbrechensbekämpfung in der Gemeinde

Informationen zu Änderungen von Polizeiaktivitäten (Erhöhungen durch Überstunden oder Anzahl des Personals) während des Demonstrationsprojekts wurde vom Personal der Polizeireviere für jeden der sieben Polizeidistrikte in Washington, D.C., beschafft. Tabelle III stellt diese Information zu jedem Revier vor. Nur in den Distrikten 1, 5-7 gab es bedeutende Erhöhungen der Polizeischichten, die während des Demonstrationsprojekts begannen. Die Erhöhungen in den Distrikten 2 und 3 begannen eine gute Weile vor dem Projekt. Um die Auswirkungen dieser Personalveränderungen zu bewerten, wurde die Gesamtzahl der zusätzlichen Personenschichten für alle Polizeidistrikte für jede Woche im Jahr 1993 berechnet. Dies wurde als zusätzliche Kontrollvariable in das Zeitreihenmodell eingegeben.

Die Ergebnisse dieser zusätzlichen ergänzenden Analyse zeigten Schlussfolgerungen, sehr ähnlich denen, die bei Anwendung des Grundmodells erzielt wurden. Die Wirkungen des Demonstrationsprojekts blieben sehr bedeutend (r < 2 x 10-8 für die Sofortwirkung; r < 4 x 10-42 für den Abbauparameter) und wiesen einen Rückgang von 22,4% bei Gewaltstraftaten nach. Die Analyse zeigte jedoch, dass die Veränderungen bei der Polizeistärke keine besondere Auswirkung auf die Verringerung der Gewaltstraftaten (r = 0,32, ein-Segment) hatten.

 

 

TABELLE III

Mitgeteilte Änderungen bei Polizeiaktivitäten

Distrikt

Monat(e)

Wochentage

Erhöhung beim Personal

Zahl der Überstunden

Gewöhn-liche

Sommer-

Aktivität

Normaler Einsatz

(Streifenpolizisten)

1

22. Jun-Jan 1994

Frei-Sonn Nacht

+25-30 Beamte

Ja

100-115 Beamte/Tag

2

Mai-Okt

Frei-Sonn Nacht

20.00-04.00 Uhr

+20 Beamte

Ja

Ca. 92-100 Beamte/Tag

3

Apr-Dez

Donn-Sams Nacht

18.00-02.00 Uhr

+20 Beamte

Ja

Ca. 100 Beamte/Tag

(30-35 je Schicht)

4

Jun-Jul

Mon-Sonn

Alle Schichten

Keine bedeutende Erhöhung

Ja

100-145 Beamte/Tag

(25-70 je Schicht)

5

Anfang Jun-Ende Aug

Mon-Sonn

08.00-16.00 Uhr

16.00-Mitternacht

Donn-Sams

16.00-Mitternacht

20 Beamte von Schulen

in Erholungsgebiete verlegt

+15 Beamte

+10-15 zusätzliche Beamte

Ja

Ja

Ja

180-185 Beamte/Tag

(55-60 je Schicht)

(80 je Schicht)

6

Letzte Woche Jun

bis Ende Dez

Donn-Sams Nacht

+25 Beamte

Nein

Ca. 127 Beamte/Tag

7

1. Jul-Dez

Donn-Sams Nacht

18.00-02.00 Uhr

+60-70 Beamte täglich,

zuzüglich von anderen Zeiten verlegte Patrouillenstunden

Nein

Ca. 135 Beamte/Tag

 

Weiterhin berichtete am 13. Juli 1993 die Washington Post, dass eine Koalition bestehend aus religiösen Führern und Gemeindevorstehern mit einem 72-Stunden-Moratorium zur Kriminalität begann. Ein Folgeartikel in der Post vom 16. Juli berichtete jedoch, dass dem „Kriminalitäts-Moratorium Patrouillen fehlen", und notierte einen sehr geringe Teilnahme an dieser Veranstaltung. Von siebenhundert Stadtbewohnern, die sich für Vier-Stunden-Schichten zur Patrouille von Gebieten mit hohen Verbrechensraten eingetragen hatten, nahmen tatsächlich nur 100 teil; und von ca. 30 Freiwilligen, die um 20.00 Uhr an einem Ort im Distrikt 5 stationiert waren, waren um 22.30 Uhr nur noch ein Dutzend anwesend. Auf jeden Fall ist es unwahrscheinlich, dass ein 72-Stunden-Moratorium während des zweimonatigen Demonstrationsprojektes eine rückläufige Kriminalitätstendenz zur Folge hat.

 

Zeitreihenanalyse der Morde, Vergewaltigungen und Überfälle als separate Ergebnisse

Es wurde auch eine Analyse für jede Kategorie der einzelnen Gewaltstraftaten durchgeführt – Morde, Vergewaltigungen und Überfälle. Mit der gleichen statistischen Methode, die bei der Analyse der Gewaltstraftaten insgesamt Anwendung fand, wurde anhand wöchentlicher Daten des Jahres 1993 eine separate Zeitreihenanalyse für jede Variable erstellt. Die Ergebnisse dieser Analyse zeigten, dass die Temperatur ein bedeutender Prädiktor für jede dieser Variablen war. Vergewaltigungen und Überfälle verringerten sich mit Anstieg der Gruppengröße erheblich (r < 0,005 bzw. r < 10-12), mit maximal geschätzten Verringerungen von 58,1% bei Vergewaltigungen und 19,0% bei Überfällen, die sich während der letzten Woche des Demonstrationsprojekts ereigneten. Die Morde verringerten sich ebenfalls minimal; diese Verringerung war jedoch statistisch unbedeutend.

 

Zeitreihenanalyse der Auswirkungen auf Raubüberfälle und Gewaltstraftaten insgesamt

Basierend auf der stufenweisen Regressionsanalyse für die Jahre 1988-1992 (siehe Abschnitt Verfahren) enthielt das Zeitreihenmodell für die Raubüberfälle im Jahr 1993 eine Kontrollvariable für das jährliche saisonale Muster an Raubüberfällen (durchschnittliche wöchentliche Anzahl an Raubüberfällen von 1988-1992). Diese Variable war ein bedeutender Prädiktor der wöchentlichen Raubüberfälle im Jahr 1993. Die kohärenzschaffende Gruppe hatte weder eine signifikante unmittelbare Auswirkung auf Raubüberfälle ((r = 0,46, ein-Segment), noch gab es einen Hinweis auf eine verzögerte Wirkung.

 

Obwohl jedoch die Interventionswirkung auf Raubüberfälle für sich betrachtet nicht von Bedeutung war, ergab die gemeinsame Schätzung der Modelle für die Kapital- und Sexualdelikte sowie Raubüberfälle im Jahr 1993, dass die Modellparameter für die kohärenzschaffende Gruppe (z.B. unmittelbare Auswirkung und verzögerte Wirkung bei Gewaltstraftaten und Sofortwirkung bei Raubüberfällen) zusammengenommen signifikant waren ((r = 0,0008).18

Die Verringerung bei Gewaltstraftaten insgesamt, relativ zu einer Zahl, die in Abwesenheit einer kohärenzschaffenden Gruppe veranschlagt worden wäre, wurde berechnet, indem die geschätzten Verringerungen bei Kapital- und Sexualdelikten und Raubüberfällen der beiden separaten Modelle verbunden wurden.19 Dies ergab, dass die maximale Verringerung während der letzten Woche des Demonstrationsprojekts auftrat und 15,6% betrug.

 

ERÖRTERUNG

Die Ergebnisse der Zeitreihenanalyse der wöchentlichen Daten entsprechen der Prognose, dass die Zahl der Gewaltstraftaten während des Zeitraums des Demonstrationsprojekts, als eine große Gruppe von Ausübenden der Transzendentalen Meditation und TM-Sidhi Programme in Washington, D.C. zusammenkam, bedeutend sinken würden. Durch die Propagierung von Kohärenz und Ordnung im Feld des kollektiven Bewusstseins, welche zu einer Verringerung von sozialem Stress und Gewaltstraftaten führen, wurde ein Auftreten dieses Effekts angenommen. Während der Zusammenkunft gab es einen sehr bedeutenden Rückgang bei Gewaltstraftaten (Morde, Vergewaltigungen, Überfälle) unter die vorhergesagten Zahlen. Wie in Abb. 2 gezeigt, ergab sich mit dem Anwachsen der Gruppe ein Rückgang der Gewaltstraftaten. In der achten Woche des Demonstrationsprojekts, als die Gruppe am größten war, reduzierten sich die Verbrechen um geschätzte 23,3%. Obwohl der Gesamtrückgang der Verbrechen über die acht Wochen gesehen, geringer war, zeigt sich darin vielleicht, dass die Gruppe während der ersten Wochen kleiner war. Um die Auswirkung des Demonstrationsprojekts zu bewerten, ist es daher wichtig zu prüfen, ob es eine „dosierte Reaktion" gibt, oder ein Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Beteiligungsgrößen in der kohärenzschaffenden Gruppe und der Ergebnisvariablen besteht. Während des Demonstrationsprojekts war die Korrelation zwischen der Größe der Gruppe im Quadrat und der Zahl der Gewaltstraftaten – 0,76 (was sich auf eine Glass Effektgröße von –2,3 Standardabweichungseinheiten überträgt), und auf eine starke Wirkung der kohärenzschaffenden Gruppe hinweist. Eine Korrelation von 0,5 oder höher (in absolutem Wert) oder eine Effektgröße von 0,8 oder größer wird als Hinweis auf einen starken statistischen Effekt gesehen (Cohen, 1988).

Die Zeitreihenanalysenmethodik, die bei dieser Studie eingesetzt wurde, ist ein sehr genauer Ansatz zur Bewertung der Wirkungen des Demonstrationsprojekts, weil sie explizit ein breites Spektrum von Faktoren berücksichtigt, welche die abhängige Variable beeinflussen, einschließlich der Angaben zu Gewaltstraftaten in der Vergangenheit, neuen Verbrechenstendenzen, sowie jährliche saisonale Verbrechensmuster. Darüber hinaus überprüft die Analyse nicht nur endogene Zyklen und Tendenzen in den Verbrechensdaten selbst, sondern auch andere fremde (exogene) Variablen, die bekanntermaßen einen Einfluss auf die Kriminalität haben. Außerdem tendieren alle exogenen Einflüsse, die nicht explizit in das Zeitreihenmodell eingebaut sind, dazu, im Abweichungsmodell reflektiert zu werden und sind daher unbedingt berücksichtigt (Box und Jenkins, 1976; Vandaele, 1983). Nur nach Einbeziehung aller dieser Faktoren, wurde die Intervention erachtet, eine signifikante Wirkung zu haben. Daher werden von der Analyse die plausibelsten alternativen Erklärungen für den beobachteten Rückgang bei Gewaltstraftaten umfassend angesprochen.

 

Die statistische Analyse berücksichtigte die möglicherweise vermengten Effekte der Wettervariablen, Tagesstunden, und Änderungen in der Personalstärke. Es wurde festgestellt, dass unter diesen Variablen die Temperatur die einzige exogene Variable war, die Verbrechensraten prognostizieren konnte und diese war in der Analyse ausdrücklich berücksichtigt. Um jedoch sehr konservativ zu sein, wurde eine weitere Zeitreihenanalyse durchgeführt, um die Auswirkung von zusätzlich eingesetzten Polizeibeamten auf die Verbrechensraten zu untersuchen. Obwohl diese Analyse feststellte, dass die Polizeistärke einen geringen Effekt bezüglich des Kriminalitätsrückgangs ausübte, war dieser Rückgang statistisch nicht signifikant. Diese Analyse zeigte jedoch ähnlich hochsignifikante Ergebnisse für die kohärenzschaffende Gruppe wie jene, die bei Anwendung des Grundmodells festgestellt wurden.

 

Die Möglichkeit, dass der Zeitraum des Demonstrationsprojekts mit einem jährlichen Rückgang bei Gewaltstraftaten während des Sommers zusammenfiel, war ebenfalls ausgeschlossen; Zeitreihenanalysen der gleichen Monate wie bei der Intervention während jedem der fünf vorangegangenen Jahre zeigte, dass Gewaltstraftaten nicht bedeutend zurückgingen. Außerdem war die monatliche Gesamtkriminalität in Washington (den jahreszeitlichen Mustern angepasst) unkorreliert mit der Kriminalität in Philadelphia und New York während der letzten fünf Jahre, so dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass ein überall vorhandener Einfluss im östlichen Gebiet der USA für den Kriminalitätsrückgang während des Demonstrationsprojektes in Washington verantwortlich war. Weiterhin sind die Ergebnisse nicht abhängig von der Wahl der Stichprobenperiode: signifikante Rückgänge bei Gewaltstraftaten wurden in Washington, D.C. während des Demonstrationsprojekts ebenfalls beobachtet, mit einer längeren Grundlinie vor der Intervention, bei der Durchführung der Zeitreihenanalyse der Gewaltstraftatensdaten für die Jahre 1988-1993.

 

Alle Zeitreihenanalysen der Gewaltstraftaten berücksichtigten ausdrücklich jährliche saisonale Kriminalitätsmuster anhand der Modellierung der Effekte der jährlichen Temperaturzyklen. Ferner berücksichtigte die Analyse mit der längeren Grundlinie außerdem explizit die jährliche Saisonalität anhand des Abweichungsmodells, womit besonders Kriminalitätsmuster während des Sommers angesprochen wurden. Der Eingang der Temperatur in alle Modelle war überaus gerechtfertigt durch entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen (z.B., Harries, 1990; Castaneda, 1991; Michael und Zumpe, 1983; Cotton, 1986; Cheatwood, 1995), die Korrelationen zwischen Temperatur und Morden, Vergewaltigungen und Überfällen aufzeigen; weil sie a priori als eine Kontrollvariable im Untersuchungsprotokoll spezifiziert waren; und weil die Regressionsanalyse der Daten aus den letzten fünf Jahren die Existenz eines Bezuges zwischen Temperatur und Gewaltstraftaten für frühere Jahre in Washington, D.C. belegte. Die Plausibilität, die Temperatur aufzunehmen, wurde durch die Tatsache bestätigt, dass sie in den Modellen äußerst signifikant war. Temperatur und frühere Kriminalitätstendenzen sagten die Gewaltstraftaten recht gut voraus, bis zu dem Zeitraum des Demonstrationsprojekts. Während des Demonstrationsprojekts, als sich die kohärenzschaffende Gruppe erhöhte, fielen jedoch die Gewaltstraftaten unter die Zahlen, die in Abwesenheit der Gruppe, basierend auf diesem früheren Verhältnis zur Temperatur, prognostiziert worden wären.

 

Unter der Annahme, dass Gewaltstraftaten im Juni und Juli gewöhnlich ansteigen und dass die Temperaturen während eines Teils des Demonstrationsprojekts Rekordhöhen erreichten (an 32 von 54 Tagen des Demonstrationsprojekts über 90°F, im Vergleich zu nur 14 Tagen über 90°F während des gleichen Zeitraums in 1992), sind die signifikanten Rückgänge bei Gewaltstraftaten besonders erwähnenswert. Sogar ein ziemlich plumper Vergleich der Kriminalitätsraten im Juli (dem heißesten Monat) mit denen in Mai und Juni entspricht den Ergebnissen des wissenschaftlicheren Ansatzes der Zeitreihenanalyse. Für die vorhergehenden fünf Jahre lag der Durchschnittswert der Gewaltstraftaten im Monat Juli höher als im Mai und Juni zusammen. Als die Teilnehmerzahl des Demonstrationsprojektes im Juli 1993 ihren Höhepunkt erreicht hatte, lag die Rate der Gewaltstraftaten jedoch unter dem Durchschnitt der Monate Mai/Juni, obwohl höhere Temperaturen vorherrschten. Diese Abnahme von Straftaten ausgehend von der Verbrechensrate vor Beginn des Projektes war nicht lediglich ein Rückgang auf den Durchschnittswert (z.B. ein Rückgang auf erstellte Prognosen für den Zeitraum).20 Die Verbrechensrate sank deutlich unter den Wert, der ohne den Einfluß einer Kohärenzgruppe erwartet wurde und nahm auch danach weiter ab (vgl. durchgezogene und gestrichelte Linien in Abb. 1).

 

Es ist unwahrscheinlich, dass die Ergebnisse in direkter Abhängigkeit von der Wahl des Zeitreihenmodells stehen. Da die Verfahren zur Modellwahl objektiv darauf beruhten, den Akaike Information Criterion (AIC) (Larimore, 1983) möglichst gering zu halten, wurde die Wahl des Modells größtenteils von den Daten selbst bestimmt. Ferner blieben die Auswirkungen der Kohärenzgruppe auch dann weiter signifikant, wenn eine große Zahl anderer Voraussetzungen zur Konstruktion alternativer Modelle herangezogen wurde. Die Ergebnisse blieben auch dann auffällig, wenn andere Abweichungsmodelle benutzt wurden; die unabhängige Variable anders spezifiziert oder das Basismodell dahingehend umgewandelt wurde, den Einfluß zeitgleich auftretender Trends auszuschließen; ein struktureller Bruch zugelassen wurde; alle Kontrollvariablen ausgelassen wurden; verschiedene Grundlinienlängen benutzt oder die Daten auf täglicher (statt wöchentlicher) Basis analysiert wurden. Unabhängig von diesen Alternativmodellen erwies sich der Einfluß der Größe der Kohärenzgruppe als hochstabil.

 

Die Feststellung von Linsky und Straus (1986)21, Raubüberfälle hingen weniger stark mit sozialem Stress zusammen als andere Gewaltstraftaten, mag teilweise erklären, warum während des Projektes keine signifikante Senkung von Überfällen zu verzeichnen war. Raubüberfälle könnten auch deshalb weniger mit einer unmittelbaren Senkung des gesellschaftlichen Kollektivstresses korrelieren, da dieser Tatbestand oft mit lang anhaltendem Drogenmißbrauch in Verbindung steht bzw. auf vorheriger Planung beruht (Sommers und Baskin, 1993). Es ist anzunehmen, dass eine längere Zeitspanne der Intervention notwendig ist, um auch die Anzahl der Überfälle zu senken. Zurückliegende Studien über den Maharishi Effekt haben eine generelle Senkung der Verbrechensrate, also auch der Gewaltstraftaten insgesamt, gezeigt; eine Abnahme der Raubüberfälle ist jedoch bislang nicht gesondert untersucht worden (für eine Zusammenfassung vgl. Orme - Johnson, 1994).

 

Während die Raubüberfälle und Vergewaltigungen bei steigender Teilnehmerzahl der Kohärenzgruppe signifikant zurückgingen, nahm die Zahl der Tötungsdelikte nur geringfügig ab. Angesichts des vergleichsweise niedrigen Anteils der Tötungsdelikte an der Gesamtzahl aller Gewaltstraftaten (weniger als 3%) fordert die statistische Analyse (Cohen, 1988) eine durchschnittliche Senkung der Straftaten mit Todesfolge von mindestens 40 % während des Monats Juli (Zeitpunkt der größten Teilnehmerzahl), um zuverlässige Anhaltspunkte für eine statistische Relevanz zu liefern; folglich müßte der Einfluß des Projektes auf die Zahl der Tötungsdelikte wesentlich größer sein als auf die Rate der Gewaltstraftaten insgesamt. Obwohl jedoch auch Vergewaltigungen einen geringen Anteil (2%) an allen Gewaltstraftaten ausmachten, war hier eine so große Senkung (58%) zu verzeichnen, dass eine hohe statistische Signifikanz offensichtlich wurde. Eine früher durchgeführte Studie (Lanford, 1990) zeigte, dass durch den langfristigen Einfluß einer Kohärenzgruppe in Washington, D.C. auch die Tötungsdelikte über einen Zeitraum von drei Jahren deutlich abnahmen. Obgleich Delikte mit Todesfolge während der Dauer des Projektes leicht abnahmen, scheint die Aufrechterhaltung einer Kohärenzgruppe über einen längeren Zeitraum hinweg notwendig, um auch die Mord- bzw. Totschlagrate senken zu können. Tätliche Angriffe und Vergewaltigungen zählen zudem zu Taten, die sehr leicht zu Tötungsdelikten eskalieren können. Folglich deutet eine Reduzierung dieser Straftaten bei längerer Aufrechterhaltung der Gruppe auf einen potentiell präventiven Effekt auch in Bezug auf Tötungsdelikte hin.

 

Das Basismodell für Gewaltstraftaten ergab einen Wert für den Abbauparameter d (0,91), der einen sehr allmählichen Aufbau und Abbau der Interventionseffekte andeutete - ein wenig langsamer, als dies in einigen früheren Studien der Fall war (i.e., Dillbeck, 1990; Dillbeck et al., 1988). Mit Hilfe einer ergänzenden Analyse sollte abgeschätzt werden, ob dieser langsame Abbau durch andere Faktoren bedingt sein konnte. Das Ergebnis belegte, dass es eine Veränderung im Verhältnis der begangenen Verbrechen und der Temperatur am Ende des Projektes gab, was zu einem schnelleren Abbau der Interventionseffekte mit d = 0,79 führte. Obwohl diese Analyse als Ergänzung des Strukturbruchmodells für die Temperaturen des Jahres 1993 im Vergleich zum Basismodell einen weit schnelleren Abbau der Effekte anzeigte (vgl. Tabelle 1), ergaben beide Modelle ähnliche Ergebnisse für die Bedeutung der Intervention und die prozentuale Senkung der Verbrechensrate. Somit sind die Resultate nicht abhängig von dem langsamen Abbau der Interventionseffekte.

 

Die Existenz von signifikanten Abbauparametern in beiden Modellen zeigt, dass das Demonstrationsprojekt spürbare Auswirkungen auch über einige Wochen nach seinem Abschluß hinaus hatte. Ferner kann daraus geschlossen werden, dass die Kriminalitätsrate bei längerem Bestand der Kohärenzgruppe auch weiter gesunken und schließlich auf niedrigerem Niveau stabil geworden wäre; der Abbauparameter in der Zeitreihenanalyse deutet darauf hin, dass der Effekt andauert und im Laufe der Zeit akkumuliert. Eine wertvolles Merkmal der Zeitreihenanalyse ist die Möglichkeit der Extrapolation von Ergebnissen einer kurzfristigen Intervention auf die einer länger anhaltenden. Die in der vorliegenden Studie verwendeten Modellparameter können zur Hochrechnung der Resultate des achtwöchigen Projektes auf eine Langzeitprognose der Verbrechenssenkung herangezogen werden. Voraussetzung für diese Vorhersage ist der Verbleib einer 4.000 Personen umfassenden permanenten Kohärenzgruppe in Washington, D.C.

 

Aufgrund des größeren Abbauparameters der Intervention, der in der ergänzenden Analyse (s. Tabelle II) gefunden wurde, legt dieses Modell eine vorsichtigere Einschätzung der Langzeiteffekte nahe. Die zu erwartende langfristige Reduzierung der Verbrechen wurde errechnet aus dem Zielwert g = [w / (1 - d )] (4000)2 (für w und d analog zu den Werten in Tab. II; der Wert 4.000 bezeichnet eine angenommene Fixgröße der Teilnehmerzahl der Gruppe: Box und Jenkins, 1976: S. 346). Von dieser Formel ausgehend würden laut Schätzung 109,6 Gewaltdelikte wöchentlich verhindert, was einem Rückgang von 48 % gegenüber der Woche unmittelbar vor Beginn des Projektes entspricht.

 

Frühere Ergebnisse sind in Übereinstimmung mit den Kumulativeffekten, die von Kohärenzgruppen langfristig erzeugt werden. Statistiken des FBI zeigen, z.B. dass in den frühen 80er Jahren die Rate der Gewaltstraftaten in Washington, D.C. um durchschnittlich 8 % jährlich sank, als eine wesentlich kleinere Kohärenzgruppe mit ungefähr 400 Teilnehmern dauerhaft Bestand hatte. Dieser Trend wurde über einen Zeitraum von vier Jahren beobachtet und führte zu einem kumulativen Rückgang von 35 % (Federal Bureau of Investigation, 1982 - 1987).

 

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Modelle nicht nur die unmittelbare Reaktion auf Veränderungen der Gruppengröße widerspiegeln. Der gemessene Kumulativeffekt impliziert vielmehr, dass die vollständigen Auswirkungen des Demonstrationsprojektes immer verzögert gegenüber einer Größenveränderung der Gruppe auftraten.

 

Dieser Verzögerungseffekt ist in Übereinstimmung mit zurückliegenden Studien und dort bereits kausal erfasst worden (i.e., Orme-Johnson et al., 1988; Dillbeck, 1990).

 

Um den Punkt des Kausalzusammenhanges näher zu beleuchten, wurde auch eine mögliche entgegengesetzte Vorhersage untersucht, für den Fall also, dass eine Veränderung in der Verbrechensrate die Größe der Interventionsgruppe beeinflußt habe und nicht umgekehrt. Dazu wurde der Mittelwert zwischen Resten des Basismodells (unter Auslassung der Intervention) und dem quadrierten Wert der Gruppengröße (unter Berücksichtigung des Zeitreihenmodells) ermittelt. Diese „prewhitening technique" (Box und Jenkins, 1976) läßt erkennen, inwieweit Fluktuationen innerhalb einer mutmaßlichen Kausalvariable andere Variablen beeinflussen, indem die endogene Dynamik und weitere zeitabhängige Strukturen von der Betrachtung ausgeschlossen werden. Ein Verzerrung des Kausalzusammenhanges wird damit vermieden. In den vorliegenden Daten war die Korrelation zwischen einer veränderten Verbrechensrate und nachfolgenden Veränderungen der Gruppengröße über den untersuchten Zeitraum von 10 Wochen nicht signifikant. Mit anderen Worten, es gab keinen Beweis dafür, dass eine Veränderung der Kriminalitätsrate Einfluß auf die Größe der Gruppe genommen hatte. Dies spricht auch gegen die Möglichkeit, dass die Berichte über eine Senkung der Verbrechensrate in der Frühphase des Projektes zu einem schnelleren Anwachsen der Gruppe geführt habe. Ferner zeigte die Zeitreihenanalyse (s.o.), dass in den fünf vorhergehenden Jahren für den untersuchten Zeitraum keine Tendenz zur Verbrechenssenkung während der Sommermonate ermittelt wurde; folglich wurde das Demonstrationsprojekt nicht zu einer Zeit angesetzt, in der eine eigendynamische Senkung der Kriminalitätsrate zu erwarten gewesen wäre.

 

Es ist unwahrscheinlich, dass eine dritte Variable die Korrelation zwischen Gruppengröße und Gewaltdelikten erklärt. Mögliche, beiden Variablen zugrundeliegende Trends wurden, wie oben bereits erwähnt, vorab ausgeschlossen. Exogene Faktoren, die die Verbrechensrate maßgeblich beeinflussen können (z.B. Temperatur), wurden gesondert betrachtet. Ein unbekannte dritte Variable hätte die Kriminalitätsrate in Washington, D.C. in analogen Schritten zum Anwachsen der Gruppe ausgerechnet im Sommer des Jahres 1993 beeinflussen und während dieser Zeit die Gruppengröße selbst verändern müssen. Vergleichbare Tendenzen für diesen Zeitraum hätten zudem in früheren Jahren beobachtet werden müssen.

 

Das stärkste Argument für einen Kausalzusammenhang ist das wiederholte Auftreten der Effekte. Die Auswirkungen von Kohärenzgruppen auf der Grundlage eines breiten Variablenspektrums sind bislang in 41 Studien untersucht worden, knapp die Hälfte davon wurde in relevanten Wissenschaftsjournalen veröffentlicht. In vielen Fällen wurden die erwarteten Ergebnisse bereits vorab öffentlich bekanntgegeben, die verwendeten Daten sind von Regierungsseite oder anderen Instituten erstellt und öffentlich zugänglich gemacht worden (i.e. Dillbeck et al., 1987; Dillbeck, 1990). Einige dieser Studien liefen über Monate oder Jahre hinweg, wobei die Fluktuation der Teilnehmerzahl während dieser Zeit relativ stark war (i.e. Orme-Johnson et al., 1988; Dillbeck; 1990). Die Zeitreihenanalyse dieser Studien zeigte, dass die Schwankung der Teilnehmerzahl deutlich mit der Verbrechens- und Unfallrate, kriegerischen Aktivitäten und anderen untersuchten Abhängigkeitsvariablen korrelierte. Jede dieser Studien enthält für sich eine ganze Anzahl von Hinweisen darauf, dass der Effekt wiederholt auftrat. Die Wahrscheinlichkeit, dass sämtliche Ergebnisse auf Zufall beruhen, ist extrem niedrig. Darüber hinaus ist in den vielen Jahren der wissenschaftlichen Diskussion des Phänomens weder auf Konferenzen noch in wissenschaftlichen Beiträgen eine glaubwürdige dritte Variable in Betracht gezogen worden, die der Konsistenz der Ergebnisse unter dem Einfluß so unterschiedlicher Bedingungen wiederspräche.

 

Obwohl auch ein konventionellerer Mechanismus als ein Feldeffekt auf der Ebene des Bewußtseins die Resultate erklären könnte, ist bislang keine derartige Alternative vorgebracht worden. Während des Demonstrationsprojektes gab es, wie auch während früherer Studien, praktisch keine direkte Verhaltensinteraktion zwischen den Teilnehmern der Gruppe und der Bevölkerung. Die Teilnehmer waren in gesonderten Unterkünften untergebracht und standen nur in minimalem Kontakt mit ihrer sozialen Umgebung; die Gruppengröße lag außerdem weit unter der Größe der von ihr beeinflussten Zielgruppe (in einigen anderen Studien war diese Differenz noch um einiges größer).22

 

Entsprechend der Theorie, dass Kohärenzgruppen Feldeffekte hervorrufen und dadurch Stress im kollektiven Bewußtsein auflösen können, führten die mit Hilfe der US - Behörden und Informationsmedien gemachten Vorhersagen zu weiteren mutmaßlichen Konsequenzen - so z.B. wachsender Erfolg und mehr Unterstützung für das Amt des US - Präsidenten und eine höhere Indexierung der Lebensqualität in Washington, D.C. In einer gesonderten Untersuchung stellte Goodman (1997) fest, dass alle sieben der folgenden soziologischen Variablen eine deutlich positive Resonanz auf den Beginn des Projektes zeigten, während der Trend weitaus negativere Tendenzen erwarten ließ. Die Messungen beinhalteten (1) Anerkennung für das Amt des Präsidenten (2) Sensibilität der Medien gegenüber dem Präsidenten und (3) folgende vier Indikationsvariablen für sozialen Stress in Washington, D.C.: Notrufe in psychiatrischen Einrichtungen, Notfallaufnahmen in Krankenhäusern, Beschwerden bezüglich der Polizei und tödliche Unfälle; diese vier Variablen wurden (4) in einem Index zur Messung der Lebensqualität zusammengefaßt.

 

Goodmans Ergebnisse zeigen, ähnlich wie frühere mehrdimensionale Studien des Effektes, dass sich auch grundverschiedene Variablen in positiver Hinsicht verändern. Alternative Erklärungen wie persönliche Kontakte zwischen Projektteilnehmern und der Bevölkerung konnten ausgeklammert werden. Angesichts des Auftretens des Effektes über Entfernungen hinweg und der großen Bandbreite verschiedener Parameter, die die Bevölkerung beeinflussten, ist die plausibelste Erklärung ein zugrundeliegender Feldeffekt, der durch Reduzierung von gesellschaftlichem Stress und Schaffung von Kohärenz im kollektiven Bewußtsein die positiven Veränderungen in all diesen Bereichen hervorrief. Dass eine solch geringfügige Intervention im Vergleich zur Größe der Zielgruppe signifikante Auswirkungen auf viele Ergebnisvariablen hat, beweist die wichtige Wechselbeziehung zwischen kollektivem Bewußtsein und sozialem Lebensstandard (vgl. die „Minimalmanipulation" der Abhängigkeitsvariable: Prentice und Miller, 1992).

 

Die Ergebnisse der 42 Studien über den Maharishi Effekt haben wiederholt die Hypothese gestützt, dass Gewaltstraftaten und andere Anzeichen für eine ungeordnete Sozialumgebung durch Kohärenzgruppen verringert werden können. Die vorliegende Studie war als Demonstrationsprojekt im sprichwörtlichen Sinne angelegt - nicht nur als weitere Gelegenheit zur Untersuchung der Hypothese, sondern auch, um dieses Phänomen für die Augen der Öffentlichkeit und der Regierung transparent zu machen. Angesichts des verheerenden Preises, den die Kriminalität von Menschen und Kommunen gleichermaßen fordert, sowie in Ermangelung anderer wissenschaftlich zuverlässiger Methoden zur Verringerung der Kriminalitätsrate, würden die höchst ermutigenden Ergebnisse die volle Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern und Politikern mehr als rechtfertigen. Vor dem Hintergrund des großen empirischen Erfahrungsschatzes sollte diesem praktischen Ansatz auf breiter Basis Vorrang gegeben werden. In seiner Anwendung verbirgt sich eine Möglichkeit zur Lösung und Vorbeugung der Hauptprobleme in unserer Gesellschaft heute.

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