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»Meine erste Reaktion, in dieser Tradition tätig zu sein, war die des völligen Unglaubens. Ihre Vertreter zeigten sich jedoch bereit, ihre Programme empirischen Tests zu unterwerfen – und die Technik hat bereits eine solidere und wetterfestere Basis als viele weniger exotische Ansätze. Es ist doch das Minimum, dass man schon aus Höflichkeit und Bescheidenheit ein Interesse und die Aufmerksamkeit für die Tests und ihre wissenschaftlichen Fortschritte aufbringt.
Wenn die Ergebnisse günstig ausfallen, sollten wir nicht davor zurückschrecken, sie zu nutzen oder zu versuchen, sie zu verstehen.«
Professor für Krimonologie, Schule für Gesundheit und Humanwissenschaften, Universität von Huddersfield; Vorstandsmitglied, Hauptbüro, Vorstand – Nationales Büro für Kriminalitätsprävention

 

Washingtonstudie

AUSWIRKUNGEN DER GEMEINSAMEN AUSÜBUNG DES PROGRAMMES DER TRANSZENDENTALEN MEDITATION ZUR VERHÜTUNG VON GEWALTKRIMINALITÄT IN WASHINGTON, D.C.:

ERGEBNISSE DES NATIONALEN DEMONSTRATIONSPROJEKTES,

JUNI- JULI 1993

 

(Angenommen am 6. November 1998)

 

 

Zusammenfassung. Diese Abhandlung berichtet über die Ergebnisse eines geplanten Experimentes, zu dem sich eine Gruppe von etwa 4000 Ausübenden der Transzendentalen Meditation und des TM-Sidhi Programmes von Maharishi Mahesh Yogi in der Zeit vom 7. Juni bis 30. Juli 1993 in Washington, D.C. versammelte. Es wurde angenommen, dass als Ergebnis des Gruppeneffektes von wachsender Kohärenz und reduziertem Stress im kollektiven Bewußtsein des Bezirkes Columbia das Ausmaß von Gewaltkriminalität während des Projektes wesentlich zurückgehen würde. Ein Gremium von 27 Projektbeobachtern, das sich aus unabhängigen Wissenschaftlern und angesehenen Bürgern zusammensetzte, genehmigte das Versuchsprotokoll und überwachte den Ablauf des Versuches. Die wöchentlichen Verbrechenszahlen wurden aus Statistiken des District of Columbia Metropolitan Police Department (DCMPD) entnommen, die auch in den Uniform Crime Report des FBI einfließen. Die statistische Analyse berücksichtigte die Auswirkungen von Wetterveränderungen, Tageslicht, historischen Kriminalitätstendenzen und jährliche Schwankungsmuster im Bezirk von Columbia ebenso wie Tendenzen in den benachbarten Städten. In Übereinstimmung mit früheren Untersuchungen bestand eine Beziehung zwischen der Zahl der Tötungsdelikte, Vergewaltigungen und Überfalle (nachfolgend als Gewaltstraftaten bezeichnet) und den durchschnittlichen Wochentemperaturen. Raubüberfalle folgten annähernd einem sich jährlich wiederholenden Zyklus. Zeitreihenuntersuchungen der Daten aus dem Jahr 1993, welche die Temperaturen zugrunde legten, ergaben einen signifikanten Rückgang der Gewaltstraftaten während des Versuchsprojektes, welcher der Zunahme bei der Gruppengröße entsprach; der höchste Rückgang betrug 23,3 % (r < 2 x 10-9) [24,6% wenn man eine längere Grundreihe verwendet mit Daten aus den Jahren 1988-1993 (r < 3 x 10-5)], und fiel mit der höchsten Teilnehmerzahl in der Gruppe in der letzten Woche der Versammlung zusammen. Als man den gleichen Zeitraum in jedem der fünf vorhergehenden Jahre untersuchte, ergab sich kein signifikanter Rückgang der Gewaltstraftaten. Raubüberfälle gingen nicht signifikant zurück. Jedoch zeigte ein Modell, das die Wirkung des Untersuchungsprojektes sowohl auf Tötungs- und Sexualdelikte, als auch auf Raubüberfälle mit einbezog, einen signifikanten Rückgang bei den Gewaltstraftaten von insgesamt 15,6% (r = 0,0008). Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Wirkung der kohärenzschaffenden Gruppe auf den Rückgang der Gewaltstraftaten nicht auf zusätzliches Polizeipersonal zurückzuführen war. Die Zeitreihenanalyse für Gewaltstraftaten ergab Resultate, die sich als sehr stabil gegenüber alternativen Modellspezifikationen zeigten, dass die Wirkung der Gruppengröße kumulativ war und nach der Beendigung des Demonstrationsprojektes anhielt. Des weiteren prognostizierte eine Berechnung der Zunahme im Stabilzustand auf der Grundlage des Zeitreihenmodelles, dass eine permanente Gruppe von 4000 kohärenzschaffenden Experten eine Langzeitwirkung im Bezirk haben würde, wodurch sich die Gewaltstraftaten um 48% reduzierten.

 

Die Rate der Gewaltstraftaten ist in den Vereinigten Staaten höher als in allen westeuropäischen Ländern, obwohl die Aufklärungsrate sieben mal höher ist als im westeuropäischen Durchschnitt (International Criminal Police Organization, 1994; United Kingdom Prison Service, 1994). Die Gesamtkosten der Kriminalität für die US-Regierung, die Bevölkerung und die Wirtschaft werden auf nahezu 700 Milliarden Dollar jährlich geschätzt (Gest, 1994). Allein in Washington D.C. stiegen die jährlichen Ausgaben für Kriminalität auf fast 1 Milliarde Dollar (District of Columbia Government, 1996), trotzdem stieg die Zahl der Gewaltstraftaten im gleichen Zeitraum um 77 Prozent (FBI, 1987, 1993). Es wird angenommen, dass sich die Jugend-Gewaltkriminalität in den nächsten zehn Jahren verdoppelt, ein ernsthaftes Problem, da der Einstieg in Gewaltstraftaten im allgemeinen bei Heranwachsenden (während der Pubertät) erfolgt. (Office of Juvenile Justice and Delinquency Prevention, 1993, 1996; FBI, 1993).

Obwohl neuere Daten einen bundesweiten Rückgang der Gewaltstraftaten anzeigen, sind die Werte immer noch höher als vor einem Jahrzehnt, besonders in Städten (Bureau of Justice Statistics, 1997; FBI, 1996). Es ist auch nicht klar, wie stark dieser Rückgang auf Anti-Verbrechens-Maßnahmen zurückzuführen ist, deren Wirksamkeit Gegenstand anhaltender Kontroversen ist. So haben zum Beispiel Abschreckungsmaßnahmen wie strengere Gefängnisstrafen und mehr Polizei auf den Straßen, wie sie in den jüngsten Kongressdebatten der Öffentlichkeit erläutert wurden, noch nicht bewiesen, daß sie die Kriminalität verringern (Petersilia, 1993; Kelling et al., 1974; Police Foundation, 1981; Sherman et al., 1997; Reiss und Roth, 1993; Mauer, 1995). Außerdem macht die Kostspieligkeit solcher Maßnahmen - etwa 5,5 Milliarden Dollar zum Bau von genügend neuen Gefängnissen, um Kaliforniens „Three strikes" (drei Delikte)-Gesetz umzusetzen - eine volle Verwirklichung unwahrscheinlich (Greenwood et al., 1994). Die Wirksamkeit von präventiven Maßnahmen ist ebenfalls nicht klar erwiesen. So kam zum Beispiel kürzlich eine vom National Institute of Justice in Auftrag gegebene Prüfung von über 500 Programmen zur Kriminalitätsverhütung, die mit insgesamt 3 Milliarden Dollar öffentlichen Geldern unterstützt wurden, zu dem Schluss, dass es durch das Fehlen streng wissenschaftlicher Beweise „nach wissenschaftlichen Regeln nur sehr wenige Programme mit erwiesener Wirksamkeit gibt" (Sherman et al., 1997).

 

 

Sozialer Streß, eine grundlegende Ursache von Kriminalität

Linsky und Straus (1986) haben gezeigt, daß der Grad des sozialen Stresses ein wichtiger Faktor für Kriminalität ist. Ihr „State Stress Index „ (SSI) - ein Index von wirtschaftlichen, familiären und anderen Stressoren einschließlich Arbeitslosigkeit, Zahlungsunfähigkeit, Scheidung, Kindersterblichkeit, vorzeitigem Schulabgang und neuen Sozialhilfefällen stand in sehr enger Beziehung zur Höhe der Gewaltstraftaten (zwischen 0,68 und 0,72 bei Tötungsdelikten, Vergewaltigungen und Überfällen). Andere Wissenschaftler fanden Korrelationen zwischen Gewalt und Bestandteilen des dem SSI (Lester, 1996), sowie zwischen Gewalt und Bestandteilen des SSI (z.B. Arbeitslosigkeit und Scheidungsraten: Brenner, 1976, 1980; Leenars und Lester, 1994)

Diese Ergebnisse auf der makrosozialen Ebene stehen in Einklang mit Untersuchungen über den Zusammenhang von Stress und Gewalt auf der individuellen Ebene. Stressvolle und traumatische Erfahrungen in der Kindheit wurden als Risikofaktoren für späteres kriminelles Verhalten identifiziert. Zu diesen Erfahrungen gehören Ablehnung durch die Mutter, Vernachlässigung und Kindesmissbrauch sowie Instabilität und Gewalt in der Familie (American Psychological Association, 1993; Raine et al., 1994, 1996; Peppler und Rubin, 1991; Lewis et al., 1989). Hoher Stress aufgrund von Lebensereignissen (Jobverlust, Todesfall, usw.) wird auch mit Gewalt im Elternhaus und aggressivem Verhalten, Kriminalität und Verbrechen unter Jugendlichen in Verbindung gebracht (Vaux und Ruggerio, 1983; Straus, 1980; Attar et al., 1994). Ernstere Vergehen weisen eine Verbindung zu intensiverem/höherem Stress auf (Humphrey und Palmer, 1986)

Überwachte Experimente mit Labortieren haben diese Verbindung zwischen Stress und aggressivem, gewalttätigem Verhalten untermauert und mögliche vermittelnde neuroendokrine Mechanismen begründet (Ferris und Griss, 1996; Sapolsky, 1992). Studien an Tieren und Menschen haben gezeigt, daß chronischer Stress die koordinierte Steuerung des Neurotransmitters Serotonin und von Schlüsselhormonen einschließlich Cortisol stört und die Fähigkeit des Individuums schwächt, angemessen zu reagieren und in vielen Fällen ernsthafte physiologische Fehlfunktionen verursacht. Insbesondere chronischer Stress verursacht sowohl abnormal niedrige Werte von Serotonin als auch abnormal hohe Werte von Cortisol, Veränderungen, die direkt mit Aggression, Feindseligkeit und impulsivem, gewalttätigem Verhalten in Verbindung gebracht werden (Sapolsky, 1996; Walton und Levitsky, 1994; Seeman und Mc Ewen, 1996; Virkkunen et al., 1989; Pope and Smith, 1991; und Mac Lean et al., 1996).

Das Prinzip des individuellen und sozialen Stresses als eine fundamentale Ursache von Kriminalität kann mit anderen weitverbreiteten Theorien der Ursachenforschung in Sachen Kriminalität verglichen werden, z.B. konzentriert sich die Theorie der sozialen Spannung (Merton 1938) auf wirtschaftliche Fehlschläge als kriminalitätsfördernd. Die Theorie des sozialen Zerfalls (Shaw und McKay, 1942) zielt auf den Ausschluss (Nichteinbeziehung) aus Familien und Gemeinden als Quelle von gesellschaftlichem Stress, und die Bezeichnungstheorie (Labeling Theory) stellt die stressvolle Wirkung einer Brandmarkung von Kindern als Verbrecher in den Vordergrund (Tannenbaum, 1938).

 

Verringerung von Kriminalität durch Verringerung von sozialem Stress

Sozialer Stress ist ein komplexes, multidimensionales Problem, der eng miteinander in Beziehung stehende soziale Probleme wie Kriminalität, Drogenmissbrauch, schlechte Gesundheit, Arbeitslosigkeit und schlechte Schulleistungen beinhaltet (cf. Linsky und Straus, 1986). Seine Reichweite zeigt sich zum Beispiel in der Tatsache, daß 44% der Amerikaner unter stressbezogenen Gesundheitsproblemen leiden (U.S. Department of Health and Human Services, 1994). Aufgrund der epidemischen Ausmaße und Vielschichtigkeit von sozialem Stress, wird die Behandlung einzelner Komponenten wahrscheinlich nur eine Teilwirkung zeigen.

Jedoch erfordert jede konzertierte Anstrengung zur Reduzierung von Kriminalität durch das Angehen der vielfältigen Dimensionen von sozialem Stress (zum Beispiel durch wirksame Vorbeugung von Drogenmissbrauch, einer Berufsausbildung und Verbesserung der schulischen Leistungen) breitgefächerte direkte Maßnahmen über ein breites Spektrum von sozialen Institutionen (cf. Dillbeck et al., 1988). Selbst wenn man sich nur auf stark gefährdete Gemeinden konzentrierte, wäre dies ein sehr kostspieliges Unternehmen. Deshalb ist es von großer Wichtigkeit, Maßnahmen auszuwählen, die a) erwiesenermaßen individuellen und sozialen Stress reduzieren und b) praktikabel und kostengünstig für eine flächendeckende Einführung sind.

 

Die Transzendentale Meditation und TM-Sidhi Programm: Ein wirksamer Ansatz zur Verringerung von Stress beim Einzelnen und in der Gesellschaft

Ein Ansatz, der sich als höchst wirksam in der Verringerung sowohl von individuellem als auch sozialem Stress erwiesen hat, sind die von Maharishi Mahesh Yogi begründete Transzendentale Meditation® und das TM-Sidhi-Programm®.1 In den vergangenen 36 Jahren haben mehr als vier Millionen Menschen in der ganzen Welt die Technik der Transzendentalen Meditation (TM®) erlernt, die als eine einfache, anstrengungslose Technik zur Förderung der vollen Entwicklung des menschlichen Bewußtseins beschrieben wird und die morgens und abends bequem sitzend mit geschlossenen Augen praktiziert wird. (Roth, 1994).

 

Über 600 Forschungsstudien, die in den letzten 25 Jahren an über 200 Universitäten und Forschungsinstituten in 30 Ländern durchgeführt wurden, haben die Wirkungen dieser Programme in Bezug auf die Verbesserung der Lebensqualität des einzelnen und der Gesellschaft untersucht (Orme-Johnson and Farrow, 1977; Chalmers et al., 1989a, 1989b, 1990; Wallace et al., 1990, im Druck). Diese Untersuchungen ergaben ein breites Spektrum an Verbesserungen, die verringerten Stress, verbesserte physische und psychische Gesundheit sowie erhöhte Lernfähigkeit, höheren IQ und besseres soziales Verhalten beinhalten (zur Übersicht über diese Untersuchungen siehe Alexander, Robinson, Ormed-Johnson, et al., 1994; Alexander, Robinson und Rainforth, 1994; Cranson et al., 1991; auch Orme Johnson, 1987).

Die Ausübung der TM geht einher mit einem ausgeprägten physiologischen Zustand von ruhevoller Wachheit (Wallace, 1970), der sich in einer Verringerung der Atmung, des Milchsäuregehaltes im Blut und des basalen Hautwiderstandes (Dillbeck and Orme-Johnson, 1987), und einer erhöhten Kohärenz und Integration der Gehirnfunktion zeigt (Dillbeck and Bronson, 1981; Lyubimov, 1992). Diese tiefgehende Ruhe fördert die Regulierung von Cortisol und anderer, chronischem Stress entgegenwirkender Hormone, darunter reduzierte Grundwerte von Cortisol, eine stabilere Cortisol-Reaktion auf akuten Stress und einer gesunderen Regulierung von Serotonin (MacLean et al., 1996); sowie herabgesetztes Plasmacortisol, Katecholamine, und verringertes aggressives Verhalten in hyperaggressiven Patienten (Subrahmanyam und Porkodi, 1980).

Diese Abnahme von Stress führt zur Verbesserung von psychischem Wohlbefinden, Wachstum und Reife sowie sozialem Verhalten. In statistischen Meta-Analysen und willkürlichen Zuordnungsstudien hat sich gezeigt, dass die Ausübung von TM bei der Reduzierung von Angst und Ärger, der Verstärkung emotionaler Ausgeglichenheit und Reduzierung von Rauschmittelmissbrauch (Drogen, Tabletten, Alkohol, Nikotin usw.) und posttraumatischen Stressstörungen wirksamer ist als andere Behandlungen (Dillbeck and Orme-Johnson, 1987; Eppley et al., 1989; Alexander et al., 1991; Dillbeck and Abrams, 1987; Alexander, Robinson, and Rainforth, 199; Brooks and Scarano, 1985).

Dieser individuelle Nutzen scheint sich positiv auf Kriminalität auszuwirken, wie sich bei Untersuchungen an Gefangenen in Hochsicherheitsgefängnissen gezeigt hat. Insassen, die die Technik der Transzendentalen Meditation praktizieren, zeigen weniger Psychopathologie, Feindseligkeit, Ordnungsverstöße und Rückfälle nach der Entlassung (Abrams and Siegel, 1978; Dillbeck and Abrams, 1987; Bleick and Abrams, 1987; Rainfroth et al., im Druck). Es hat sich auch gezeigt, daß die Technik die Risikofaktoren für kriminelles Verhalten verbessert, einschließlich Aggression, geringer Ego-Entwicklung (Alexander et al., im Druck) und ethischem Denken (Nidich et al., 1983), und schlechtes kognitives Verhalten unter sozial benachteiligten Jugendlichen (Dillbeck et al., 1990).

 

 

 

 

Ein auf kollektivem Bewußtsein beruhender Ansatz zur Verringerung von Kriminalität

In Übereinstimmung mit diesen Wirkungen auf der individuellen Ebene soll die kollektive Ausübung der Transzendentalen Meditation und des TM-Sidhi Programmes positive Veränderungen in der gesamten Gesellschaft bewirken. Dieser im Bewusstsein begründete Ansatz, ein Aspekt der „Maharishi Vedischen Wissenschaft und Technologie"SM (Maharishi Mahesh Yogi, 1995), kann wie folgt zusammengefasst werden:

Maharishi (1978) betont, daß eine Gesellschaft durch die Qualität ihres kollektiven Bewusstseins charakterisiert ist, das aus dem kumulierten Bewusstsein jedes einzelnen Gesellschaftsmitgliedes entsteht und umgekehrt wieder das individuelle Verhalten beeinflusst. Zunehmender Stress im Leben des Einzelnen erhöht den Stress im kollektiven Bewusstsein, was sich in Gewalt, Kriminalität und anderen sozialen Problemen widerspiegelt. Umgekehrt beeinflusst eine Anhebung des Ebene von Kohärenz und Harmonie im kollektiven Bewusstsein das individuelle Verhalten positiv und stellt so ein praktisches Mittel zur Verbesserung der Lebensqualität der Gesellschaft und zur Lösung hartnäckiger sozialer Probleme dar.

Während der Technik der Transzendentalen Meditation (Maharishi, 1995) soll sich der Geist systematisch und anstrengungslos zu seiner einfachsten Form der Bewusstheit beruhigen, einem ruhevollen bewussten Zustand innerer Wachheit, bekannt als reines Bewusstsein, das nicht nur eine innere subjektive Erfahrung ist, sondern ein intersubjektives Feld, das allen Individuen gemeinsam ist. Maharishi beschreibt reines Bewusstsein als das grundlegendste Feld der Intelligenz der Natur, das die Quelle aller Ordnung und Intelligenz ist, die im Universum zum Vorschein kommt; Hagelin (1987, 1998) ist der Ansicht, dass dieses zugrundeliegende Feld von Intelligenz mit dem einheitlichen Feld der Quantenfeld-Theoretiker identisch ist.

Auf dieser Basis wird prognostiziert, dass die Erfahrung reinen Bewusstseins einen erweiterten Feldeffekt erzeugen kann, wie er ähnlich dem in physikalischen Systemen erreicht wird und der sich in einem ganzen sozialen System verbreiten kann. Insbesondere wird angenommen, dass durch Feldeffekte des menschlichen Bewusstseins, die aus dieser universalen Ebene des Naturgesetzes hervorgehen, kollektiver Stress gemildert werden kann und die gesellschaftliche Kohärenz zunimmt (Maharishi, 1996; Hagelin, 1998).

Maharishi behauptete bereits vor über 30 Jahren, dass eine kleine Anzahl von Individuen - ein Prozent der Bevölkerung - die die Technik der Transzendentalen Meditation für sich ausübt, einen Einfluss von Kohärenz im ganzen kollektiven Bewusstsein erzeugen würde.4 Ein sogar noch stärkerer kohärenter Einfluss soll entstehen, wenn eine Gruppe von Einzelnen gemeinsam das TM-Sidhi Programm praktiziert, eine Abfolge geistiger Techniken, die von fortgeschrittenen TM-Praktizierenden erlernt werden. Während die Ausübung von TM den Geist in Kontakt mit reinem Bewusstsein bringt, ist das Ziel des TM-Sidhi Programmes, den Geist zu trainieren, bewusst aus reinem Bewusstsein zu arbeiten, um die Integration reinen Bewusstseins im individuellen Geist zu verstärken und zu beschleunigen. (Maharishi, 1995; für einen Überblick über Theorie und Forschung siehe Gelderloos und van den Berg, 1989). Das TM-Sidhi Programm erzeugt gegenüber der Ausübung von TM eine sofortige und anhaltende Zunahme der EEG-Kohärenz, verstärkt die neurologische Wirksamkeit, verbessert die Lernfähigkeit und erhöht endokrinologische Wirksamkeit und Ausgeglichenheit (Travis and Orme-Johnson, 1990; Orme-Johnson et al., 1989; Wallace et al., 1983; Werner et al., 1986). Da der Einzelne die Grundeinheit des kollektiven Bewusstseins ist, wird prognostiziert, dass die kraftvolleren Wirkungen des TM-Sidhi Programmes auf das Verhalten des Einzelnen ebenfalls eine soziologische Entsprechung haben. Deshalb wird angenommen, dass die Gruppenausübung des TM-Sidhi Programmes durch eine noch kleinere Gruppe von Individuen - die Wurzel aus einem Prozent der Bevölkerung - gesellschaftliche Veränderungen hervorruft. (Maharishi 1996). Dieses Verhältnis beruht auf physikalischen Modellen, nach denen einige wenige kohärente Elemente in einem physikalischen System (z.B. einem Laser) einen Phasenübergang zur kohärenten Funktion im ganzen System anregen können. Da die kombinierte Intensität kohärenter Elemente proportional zum Quadrat ihrer Anzahl ist, kann ein messbarer Einfluss auf das ganze System erwartet werden, wenn die Zahl einer kohärenten Gruppe die Quadratwurzel der gesamten Bevölkerung überschreitet (Hagelin, 1987: S.65) Solche Gruppen von TM-Sidhi Teilnehmern werden deshalb als „kohärenzerzeugende" Gruppen bezeichnet.

 

Bisherige Untersuchungen der kollektiven Wirkungen der Transzendentalen Meditation und des TM-Sidhi Programmes

Dieser vorhergesagte Einfluss der kollektiven Ausübung der Transzendentalen Meditation und des TM-Sidhi Programmes ist in über 40 Studien an einer Reihe verschiedener sozialer Indikatoren geprüft worden; 15 dieser Studien haben Kriminalität als eine Ergebnisvariable untersucht. Dieses Phänomen, von den Wissenschaftlern „Maharishi Effekt" genannt zu Ehren von Maharishi Mahesh Yogi, der es als erster vorhergesagt hat, wurde in den letzten zwei Jahrzehnten einer immer strengeren Untersuchung unterworfen - durch bessere statistische Methoden, Untersuchung größerer statistischer Stichproben, umfassende Kontrolle von Faktoren, die abhängige Variablen beeinflussen, Wiederholung quer durch Ergebnisvariablen und geographische Orte, und Anwendung von vorgesehenen Untersuchungsprotokollen.

 

Kriminalitätsstudien in Städten zur Technik der Transzendentalen Meditation

In der ersten von vielen Studien, die in Wissenschaftsmagazinen veröffentlicht wurden (Dillbeck et al., 1981), hat man die Kriminalitätsraten in den ersten 24 Städten der Vereinigten Staaten, in denen mindestens 1 % der Bevölkerung die Technik der Transzendentalen Meditation erlernt hatte, von einem unabhängigen Beobachter mit Kontrollstädten vergleichen lassen. Die Gesamtzahl der Verbrechen ging in den „1% -Städten" gegenüber den Kontrollstädten um 16% zurück. Während der nächsten fünf Jahre lag die Entwicklung der Kriminalitätsrate in den 1%-Städten im Vergleich ebenfalls signifikant unter den Kontrollstädten. Die Untersuchung wurde daraufhin erweitert auf zwei Stichproben in 160 Städten und 80 „standardisierten statistischen Großstadtbereichen", die fast die Hälfte der städtischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten umfassten (Dillbeck et al., 1988). Eine kreuzvalidierte Panelanalyse zeigte über die folgenden sieben Jahre eine Korrelation des Prozentsatzes der die Technik der Transzendentalen Meditation praktizierenden Bevölkerung mit einem Rückgang der Kriminalität. Entsprechend der zugrunde liegenden Interpretation, prognostizierten Änderungen bei der Kriminalität keine erhöhte TM Teilnahme in den nachfolgenden Jahren und andere Variablen, die bekanntermaßen die Kriminalität beeinflussen, konnten nicht als Erklärung für die Ergebnisse herangezogen werden.

 

Untersuchungen zur Gruppen-Ausübung der Transzendentalen Meditation und des TM-Sidhi Programmes:

Eine Serie von vorgesehenen Studien unter Anwendung der statistischen Methode der Zeitreihenanalyse ergab einen signifikanten Rückgang der Kriminalität (entweder Gesamtkriminalität oder Gewaltkriminalität). Dies hat sich in vielen Teilen der Welt auf städtischer, regionaler, Landes- und Bundesebene wiederholt, wenn sich eine genügend große Anzahl von Teilnehmern des TM-Sidhi Programmes versammelt hatte, um den vorhergesagten Effekt hervorzurufen (Dillbeck et al., 1987, 1988; Orme-Johnson et al., 1988; Dillbeck, 1990; Hatchard et al., 1996).5

 

Frühere Ergebnisse in Washington, D.C.: 

In Washington, D.C., fanden Dillbeck et al. (1988) eine hochsignifikante Beziehung zwischen der verstärkten Anwesenheit kohärenzschaffender Gruppen in Washington und einem Rückgang der Gewaltstraftaten. Die Studie berichtete von einem Rückgang um 11 Prozent bei den Gewaltstraftaten innerhalb eines Jahres, wobei der höchste Rückgang sich in den Zeiträumen ereignete, als die Programmteilnahme am höchsten war. Die Auswertung zeigte, dass andere Faktoren wie Wetter, Polizeieinsatz, Änderungen beim Alter der Bevölkerung und Programme mit Nachbarschaftsstreifen nicht zur Erklärung dieses Rückganges bei der Kriminalität herangezogen werden konnten. Während des ganzen Zeitraums von 1981 bis Mitte 1986, als sich kohärenzschaffende Gruppen in Washington befanden, nahmen die Gewaltstraftaten um 35 % ab. Wie oben erwähnt, nahmen die Gewaltstraftaten im Jahr 1987, nach Abreise der Gruppe, im Distrikt erheblich zu.

 

Das nationale Demonstrations-Projekt: Eine vorgesehene Studie über Gewaltstraftaten in Washington, D.C.

Diese Arbeit berichtet über die Ergebnisse eines über die Dauer von zwei Monaten vorgesehenen Experimentes, dem „Nationalen Demonstrations-Projekt zur Reduzierung von Gewaltstraftaten und der Verbesserung der Effektivität der Regierung"(die „Maharishi Gruppe für eine Regierung"), das in Washington, D.C., vom 7. Juni bis zum 30. Juli 1993 durchgeführt wurde. Zu diesem Experiment, das vom Institut of Science, Technology and Public Policy der Maharishi Universität für Management durchgeführt wurde, versammelte sich eine Gruppe von nahezu 4.000 Experten des Programmes der Transzendentalen Meditation und des TM-Sidhi Programmes in der Hauptstadt des Landes. Das Forschungsprotokoll wurde den nationalen und internationalen Nachrichtenmedien und einem 27-köpfigen unabhängigen Kuratorium, das sich aus Soziologen und Kriminologen von führenden Universitäten, Vertretern des Metropolitan Police Department (DCMPD) des Distrikts von Columbia, und der Bezirksregierung sowie Führungskräften aus der Bürgerschaft zusammensetzte, vorab bekanntgegeben (Institute of Science, Technology and Public Policy, 1993). Dieses Kuratorium hatte die Aufgabe, das Institut bei der Planung der Untersuchung zu beraten und deren Durchführung zu überwachen. Auf der Grundlage früherer Untersuchungen wurde die Hypothese aufgestellt, dass die Gruppenpraxis der Transzendentalen Meditation und des TM-Sidhi-Programmes die Gewaltstraftaten im Bezirk Columbia erheblich reduzieren würde. Diese vorgesehene Studie war deshalb ein öffentlich bekannt gemachter, kritischer Test der Transzendentalen Meditation und des TM Sidhi-Programms als kriminalitätsverhütende Strategie.

METHODE

Daten

Die unabhängige Variable in dieser Untersuchung ist die Anzahl der Teilnehmer an der Transzendentalen Meditation und des TM Sidhi Proramms in Washington, D.C. während der Dauer des Demonstrationsprojekts. Die Zahl der Teilnehmer erhöhte sich in drei Abschnitten während der acht Wochen des Projektes von etwa 1000 über 2500 auf 4000. Die Teilnehmer waren in Hotels und Collegeunterkünften an 8 Orten im Bezirk und an der Universität von Maryland untergebracht. Die Teilnehmer praktizierten gemeinsam das TM-Sidhi Programm zweimal täglich in Hallen, die für diesen Zweck in der Nähe der Unterkünfte vorgehalten wurden.6 Es wurden verschiedene Alternativen zur Feststellung der unabhängigen Variable untersucht - die Gesamtzahl der Teilnehmer, die Gesamtzahl im Quadrat und die Anzahl in jedem Wohnbereich im Quadrat und dann hinzugerechnet - alle waren in hohem Maße miteinander verbunden (=0,96 bis 0,99). Da die Theorie festlegt, dass die Wirkung solcher kohärenzschaffender Versammlungen mit der Quadratwurzel der Zahl der Teilnehmer wechselt, verwendet die nachfolgende Analyse die Gesamtzahl der Teilnehmer an den Programmen der Transzendentalen Meditation und des TM-Sidhi Programmes im Quadrat.

Das erste Ergebnis betraf die Gewaltstraftaten. Wie vom FBI Uniform Crime Report (UCR)-Programm (Federal Bureau of Investigation, 1994), definiert, zählen zu den Gewaltstraftaten Tötungsdelikte (Mord und Totschlag), Vergewaltigung, Körperverletzung und Raubüberfälle. Das DCMPD stellte Computeraufzeichnungen über gemeldete Vergehen zur Verfügung (die gleichen Aufzeichnungen, aus denen das DCMPD die offiziellen jährlichen UCR-Statistiken für das FBI zusammenstellte). Diese Daten waren für 1993 und die vorgehenden fünf Jahre (von 1988 bis 1992) angefordert worden. Um tägliche Zahlen von jeder Verbrechenskategorie für die Analyse bereitzustellen, wurden diese Datenbank-Berichte noch einmal Datum für Datum auf die Tatzeit jedes einzelnen Delikts hin durchgesehen und in Übereinstimmung gebracht, und zwar für jede Kategorie der Gewaltstraftaten. Damit diese Statistik mit den Monatsgesamtzahlen des UCR-Berichts - wie von den Polizeibehörden (DCMPD) an das FBI übermittelt - konform waren, wurden die täglichen Zahlen nach den Verfahren des DCMPD für die UCR-Berichte kompiliert. Diese Verfahren bezogen sowohl die Berichte ein, die bereits früher berichtete Straftaten auf den aktuellen Stand brachten, als auch die Unterschiede in der Deliktkategorisierung, wie sie für den UCR –Bericht verwandt wurde, und jener, wie sie von den DCMPD-Polizeibehörden für eigene Zwecke verwendet wurden.

 

Weiterhin wurde eine Anzahl potentieller Kontrollvariablen überprüft, um dadurch möglicherweise verfälschende Faktoren, die alternative Erklärungen für irgendeine Veränderung in der Kriminalitätsrate im Zeitraum des Demonstrationsprojektes hätten liefern können, auszuschließen.7 Potentiell verfälschende Faktoren, die dabei in Betracht gezogen wurden, waren u.a. jahreszeitlich bedingte Kriminalitätsschwankungen, Wettervariablen (wie Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit), Tageslichtstunden, Veränderungen in den Maßnahmen der Polizei und der Bezirksbehörden zur Verbrechensbekämpfung, Tendenzen der Kriminalitätsentwicklung in Washington, D.C., aus früheren Jahren sowie zeitgleich auftretende Kriminalitätstrends in anderen Städten an der Ostküste. (für eine eingehendere Begründung der Auswahl dieser Kontrollvariablen siehe Hagelin et al., 1994).

 

 

Statistische Analyse

 

Wie vorher im Forschungsprotokoll schon erläutert, wurden die Wirkungen des Demonstrationsprojektes durch Zeitreihenanalyse ausgewertet. Die Box-Jenkins-Zeitreihenmethodik ist heute das Standardverfahren, um nach strengen wissenschaftlichen Kriterien über einen Zeitverlauf die Wirkungen einer Intervention auf eine abhängige Variable zu bestimmen. (McCleary und Hay, 1980). In dieser Studie bietet der Entwurf eines Zeitreihenmodells für die Entwicklung der Gewaltstraftaten in Washington, D.C., selbst eine dynamische Beschreibung, die auch die vergangene Geschichte der Entwicklung der Gewaltstraftaten in Washington, D.C., einschließlich Trends und Zyklen, mit einbezieht. Das Modell kann auch den Einfluss extrinsischer oder exogener, also äußerer Variablen, von denen bekannt ist, dass sie die Kriminalität beeinflussen, erklären und kontrolliert damit auch statistisch möglicherweise verfälschende Einflüsse.

 

Es mag zunächst so erscheinen, dass die Wirkung der Verbrechensverminderung einfach durch einen Vergleich des Kriminalitätsaufkommens während der Intervention mit der Kriminalitätsentwicklung im gleichen Zeitraum des Vorjahrs bestimmt werden könnte. Dieser Ansatz würde jedoch nicht die äußeren exogenen Einflüsse kontrollieren. Er würde zudem auch neuere Trends in der Kriminalitätsentwicklung (z.B. aufgrund weitgefasster gesellschaftlicher Bedingungen) ignorieren, die ebenfalls für Veränderungen der Kriminalitätszahlen im Vergleich zu denen des Vorjahrs verantwortlich gemacht werden könnten. Eine solche Einbeziehung neuerer Entwicklungstrends im Hinblick auf die Kriminalität ist besonders dann wichtig, wenn die Intervention zeitlich kurz ist, wie in der vorliegenden Studie.

 

Das Zeitreihenmodell für abhängige Variablen umfasst drei Hauptkomponenten: exogene, also äußere, Kontrollvariablen, ein Modell für Rauschen (Schwankungen aufgrund von Fremdeinflüssen) und die Wirkung der Intervention. Alle Variablen des Zeitreihenmodells, einschließlich der abhängigen, der Interventions- und der Kontrollvariablen, bestehen aus Datenreihen, die aufgrund wöchentlicher Anhäufung gebildet wurden. Es ist dabei wohl bekannt, dass die Anhäufung der Daten über einen Zeitraum die Niveaus der Abweichungen (Rauschen) in Proportion zum Durchschnittsniveau der Zeitreihenanalyse vermindert und damit oft zu ökonomischeren Modellen führt (Granger, 1990).8

 

Für die Festlegung, Auswertung und Diagnose des Zeitreihenmodells hinsichtlich der Daten für die Gewaltstraftaten (Tötungsdelikte, Überfälle, Vergewaltigungen) sowie für Raubüberfälle wurde die Standardmethodik für Zeitreihenmodelle nach Box-Jenkins (Box und Jenkins, 1976) unter Zuhilfenahme des Statistischen Software-Pakets SCI (Liu et al., 1986) angewandt. Die Verwendung dieser Statistikmethoden eliminiert alle Trends und zyklischen Verhaltensweisen aus den Daten, um zu einem stationären, zeitinvarianten Modell der abhängigen Variable zu gelangen.

 

In einem ersten Schritt wurde bei der Konstruktion des Zeitreihenmodells die Jahreszeitenabhängigkeit von Gewaltstraftaten im Bundesstaat District of Columbia (D.C.) überprüft. Von den 16.888 Gewaltstraftaten, die im Untersuchungsjahr 1993 auftraten, waren 2,7% Tötungsdelikte, 1,9% Vergewaltigungen und 53,3% Überfälle. Weiterhin kamen 42,1% Raubüberfälle hinzu. Studien der US-amerikanischen Justizbehörden (Büro für juristische Statistik, 1988) und anderer Institutionen haben bereits früher, schon vor Beginn der vorliegenden Studie erbracht, dass die höchsten Zahlen an Tötungsdelikten, Vergewaltigungen und bewaffneten Überfällen während der Sommermonate auftreten. Dieses Jahreszeitenmuster kann auf saisonale Schwankungen in der Temperatur zurückgeführt werden: Zahllose Studien haben mittlerweile den Zusammenhang zwischen höheren Temperaturen und Überfällen herausgestellt (z. B. Harries, 1990) sowie auch (wenn auch in einem geringeren Maße) bei Tötungsdelikten (Castaneda. 1991), Vergewaltigungen (Michael und Zumpe, 1983) und Gewaltstraftaten im allgemeinen (Cotton, 1986, einen Überblick über Untersuchungen bietet Cheatwood, 1995). Dazu verläuft jedoch das Jahreszeitenmuster für Raubüberfälle gegenläufig: Das zahlenmäßige Maximum an Raubüberfällen tritt im Dezember auf, wohingegen das Minimum dieser Art von Verbrechen im Frühling bzw. im Frühsommer (Büro für juristische Statistik, 1988) zu beobachten ist.

 

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch die vorliegende Studie in Washington, D.C. (siehe nachfolgend). Wegen dieser Unterschiede in den Jahreszeitenvariationen wurden die Tötungsdelikte, Vergewaltigungen und Überfälle (letztere sind Gewaltakte - beabsichtigt, Körperverletzungen hervorzurufen) in einer gemeinsamen Ergebnisvariable zusammengefasst, während die Raubüberfälle (im Gegensatz zu den Überfällen primär profitorientiert) separat analysiert wurden. Ein weiterer Grund für die Zusammenfassung der ersten drei Variablen war der, dass der zahlenmässig geringe Anteil von sowohl Tötungsdelikten, als auch Vergewaltigungen (die nur 5 % der Gesamtzahl an Gewaltstraftaten in Washington, D.C. im Berechnungsjahr 1993 bildeten) es als sinnvoll erscheinen ließ, sie im Kontext eines breiter gefassten Indikators aller „gegen die Person gerichteten Verbrechen" (d.h. der Gewaltstraftaten) zu untersuchen. Darüber hinaus sind statistisch signifikante Muster generell deutlicher in zusammengefassten Variablen, da die in getrennten Variablen vorhandenen Zufallsabweichungen dann dazu tendieren, wegzufallen, wenn Daten zusammengefasst werden. Dennoch wurden alle drei Kategorien (Tötungsdelikte, Vergewaltigungen, Überfälle) auch jeweils getrennt analysiert, um den Grad zu bestimmen, in der jede dieser Kategorien zu irgendeiner beobachteten Veränderung in den Gesamtzahlen der Gewaltstraftaten beitrug.

 

Ein weiterer Schritt, welcher der dann folgenden Zeitreihenanalyse der Ergebnisse des Demonstrationsprojektes noch vorausging, war eine vorläufige, schrittweise Regressionsanalyse, um zu bestimmen, welche Kontrollvariablen in die zwei Zeitreihenmodelle für eine der beiden Verbrechensvariablen (Gewaltstraftaten sowie Raubüberfälle) eingeschlossen werden sollten. Um die Beziehungen zwischen der Kriminalität und den Kontrollvariablen unabhängig von den Daten des Berechnungsjahres 1993 zu untersuchen, wurde die schrittweise vorgehende Regressionsanalyse auf der Grundlage der Daten der fünf dem Berechnungszeitraum vorangehenden Jahre (1988-1992) ausgeführt. Diese Analyse identifiziert die Kontrollvariablen, welche die Gewaltstraftaten und Raubüberfälle in Washington, D.C, während des Untersuchungszeitraums am besten voraussagen können. (Zusätzliche Kriminalitätsbekämpfungsmaßnahmen seitens der Polizei und der Verwaltungsbehörden wurden auf dieser Stufe noch nicht berücksichtigt, weil hierfür nur Daten für das Jahr 1993 vorlagen.)

 

Für die Gewaltstraftaten während der Jahre 1988-1992 war die Temperatur die einzige signifikante Kontrollvariable im sich aus der schrittweisen Regression ergebenden Endmodell. Um die Möglichkeit auszuschließen, dass diese signifikante Beziehung zwischen Gewaltstraftaten und Temperatur durch eine Scheinkorrelation (Granger und Newbold, 1974) verursacht war, wurde das Regressionsmodell ausgedehnt auf ein vollständiges Zeitreihenmodell für die Gewaltstraftaten der Jahre 1988-1992. In diesem Zeitreihenmodell hat sich die Temperatur als potenter Voraussageindikator für die wöchentlichen Daten (p < 3 x 10-16) erwiesen.9 Daher wurden in der nachfolgenden Zeitreihenanalyse des Demonstrationsprojekts im Untersuchungsjahr 1993 Variationen im wöchentlichen Temperaturdurchschnitt explizit kontrolliert.

 

Um zu untersuchen, ob Gewaltkriminalitätstrends in Washington, D.C., mit Kriminalitätstrends in anderen größeren Städten derselben Region korreliert waren, wurden die monatlichen Kriminalitätsdaten von New York und Philadelphia, sowie von Washington für die Jahre 1988-1992 überprüft. Nachdem jedoch die Jahreszeitenmuster ausgeschlossen worden waren, erwiesen sich die Kriminalitätstrends in diesen Städten als unkorreliert mit jenen in Washington und wurden daher auch nicht in die Untersuchung mit einbezogen.

 

Während Gewaltstraftaten jahreszeitenbedingt jedes Jahr variieren, offenbarte ein Diagramm eine viel steilere Zunahme der Kriminalität in den ersten Monaten des Jahres 1993, verglichen mit dem gleichen Zeitraum in vorhergehenden Jahren. Eine eingehendere Untersuchung zeigte, dass es offensichtlich eine Veränderung in der Beziehung zwischen Kriminalität und Temperatur zu Anfang des Jahres 1993 gab. Diese Beziehung wurde durch eine Regressionsanalyse mit den Gewaltstraftaten als abhängiger Variable und der Temperatur als unabhängiger Variable ausgewertet. Die Analyse zeigte, dass zum Beispiel während der Monate Januar bis Mai 1992 ein Anstieg in der Temperatur um 10º Fahrenheit im Durchschnitt eine wöchentliche Zunahme um 14 Gewaltstraftaten mit sich brachte und somit anzeigte. Im Jahr 1993 jedoch indizierte derselbe Temperaturanstieg im gleichen Zeitraum eine wesentlich höhere Zuwachsrate der Verbrechen (nämlich von 20 Verbrechen pro Woche) – das sind 41% mehr als im Vorjahr. Ein Strukturbruch-Test (Johnson, 1984) bestätigte formal diese Veränderung in der Beziehung von Verbrechen und Temperatur, indem er eine zeitliche Diskontinuität in der Struktur des Regressionsmodells der Gewaltstraftaten für 1993 gegenüber den vorausgegangenen fünf Jahren nachwies (p < 0,0005).10 Mit Blick auf diese strukturelle Veränderung wurde die nachfolgende Zeitreihenanalyse der Gewaltstraftaten daher auf die Daten aus dem Jahr 1993 gestützt. (Betrachten Sie dennoch auch die zusätzlichen Zeitreihenanalysen mit den Daten von 1988-1993, die eine längere Grundkurve zugrunde legen, über die im Abschnitt über Ergebnisse berichtet wird.)

 

Eine ähnliche vorläufige Analyse, welche die schrittweise Regression verwendet, wurde auch für Raubüberfälle während der Jahre 1988-1992 durchgeführt, aber hier wurde keine Kontrollvariable gefunden, die signifikant gewesen wäre. Um jedoch zu untersuchen, ob es ein stichhaltiges jahreszeitliches Muster für Raubüberfälle gäbe, wurden für die jeweils entsprechenden Wochen in den Jahren von 1988 bis 1991 die Durchschnitte der Wochenzahlen für Raubüberfälle errechnet (d.h. dass zunächst etwa für die erste Woche aller vier Jahre der Durchschnitt errechnet wurde, dann für die zweite Woche usw.). Eine Regressionsanalyse ergab dann, dass diese Variable jahreszeitlich bedingter Muster in der Tat ein signifikanter Voraussageindikator für Raubüberfälle im Jahr 1992 war (p < 0,025). Daher wurden in der Zeitreihenanalyse für Raubüberfälle im Jahr 1993 die wöchentlichen Mittel der Raubüberfälle der Jahre 1988-1992 als Kontrollvariable verwandt.

 

Die Zeitreihenmethodik kontrolliert im zeitlichen Ablauf die Reihenabhängigkeit von Beobachtungen, Tendenzen oder saisonalen Zyklen in den Daten, indem sie diese Einflussfaktoren in ein „Modell des Rauschens" bzw. der Fremdeinflüsse in das Zeitreihenmodell aufnimmt, wobei dieses Modell als Nullhypothese bei der Analyse von Interventionswirkungen (McCleary und Hay, 1980) dient. Nur nachdem diese endogene Dynamik der abhängigen Variablen (wie auch aller exogenen Kontrollvariablen) in das Modell aufgenommen wird, kann von der unabhängigen Variable (der Intervention) überhaupt angenommen werden, das sie einen statistisch signifikanten Einfluss hatte.

 

Ein Standardmerkmal der Modellerstellung einer Box-Jenkins-Zeitreihe ist die Prüfung der dynamischen Beziehungen unter den Variablen, einschließlich verzögerter Effekte. Gemäß der Methodik, wie von McCleary und Hay (1980) vorgeschrieben, kann eine Interventionswirkung einen abrupten oder einen allmählichen Anfang haben und einen zeitweiligen oder einen permanenten Effekt. In der vorliegenden Studie wurde, da es sich bei dem Demonstrationsprojekt um eine zeitlich limitierte Intervention handelte, angenommen, dass eine zeitlich befristete Wirkung auf die Gewaltstraftaten hervorgerufen werden würde. Die Analyse untersuchte, ob der Interventionseffekt schon zu Beginn gleich ziemlich abrupt auftrat (ohne Carryover-Effekte, also Wirkungsverzögerungen, für spätere Zeitperioden) oder ob zusätzlich zu einem sofortigen Einfluss es sich eher um ein graduierliches und zunehmendes Anwachsen handelte und um einen allmählichen Abbau. Diese Möglichkeit wurde in der Untersuchung speziell dadurch angesprochen, dass ein Abbau-Parameter in die Transferfunktion für die Interventionsvariable eingebaut wurde. Die Rolle des Abbau-Parameters ist es, die Abbau-Rate der Interventionswirkungen in einer beliebigen Woche über nachfolgende Zeitperioden in einem allmählich abnehmenden Muster einschätzen zu können und damit einen kumulativen Effekt der Intervention, wie sie sich Woche um Woche weiter vollzieht, einberechnen zu können.

 

Ein objektives Verfahren für die Zeitreihenmodellauswahl folgte dann, basierend auf dem Akaike Informationskriterium (AIC), wobei die Forderung zugrunde gelegt wurde, dass die Modelldiagnostik befriedigend sein sollte. Das AIC gleicht auf optimale Weise die sich bekämpfenden Ziele der Sparsamkeit (geringstmögliche Zahl der Modellparameter) und der Präzision der Modellpassung aus (kleinste Restvarianz: Larimore, 1983; Larimore und Mehra, 1985). Shibata (1983) zeigt, dass das AIC „befriedigend sowohl die Risiken von „zu sehr" und „zu wenig" ausgleicht und asymptotisch effizient bei der Auswahl eines Modells aus einer Familie von Modellen, bei denen jedes sich durch viele Parameter von den anderen abhebt, ist." Da das AIC proportional zur Stichprobengröße ist, die für Schätzungen verwandt wird, wurden alle alternativen Modelle der gleichen wöchentlichen Datenmenge geschätzt, indem dieselbe Anzahl an Beobachtungen verwandt wurde, um genaue Vergleichsmöglichkeiten unter den Modellstrukturen zu ermöglichen. Für diagnostische Zwecke wurde die Autokorrelationsstruktur des Restrauschens von dem Modell bis zu einer Verzögerung von 12 Wochen überprüft.

 

Nachdem die Gewaltstraftaten und Raubüberfälle in getrennten Zeitreihenmodellen erfasst wurden (wie oben erläutert), wurden die Gleichungen für die beiden Modelle gemeinschaftlich berechnet/geschätzt, indem das simultane Transferfunktionsmerkmal des SCA verwandt wurde. Dies erlaubte die Untersuchung der Wirkung auf die Gewaltstraftaten als Ganzes durch Prüfung der im kombinierten Modell für beide gemeinsamen Signifikanz der Interventionsparameter, ermittelt aus den zwei getrennten Modellen, indem ein Likelihood-Verhältnis-Test durchgeführt wurde (Nelson, 1976). Im nächsten Absatz werden die Ergebnisse vorgestellt, wie sie sich einerseits separat für die beiden Modelle berechnen ließen, andererseits als gemeinschaftlich-verbunden aus dem Test der gemeinsamen Signifikanz ergaben.

 

Obwohl es möglich gewesen wäre, einfach nur die Gesamtzahlen der Gewaltstraftaten wie auch der Raubüberfälle zu einer kombinierten Indexzahl zu addieren und dann für die Gesamtsumme der Gewaltstraftaten ein univariates Zeitreihenmodell aufzustellen, hätte dieser Ansatz doch die Möglichkeit beinhaltet, dass die Schätzung des Einflusses irgendeiner exogenen Kontrollvariable sowie zyklischer Dynamiken und der Zeittrends verzerrt worden wäre (Granger, 1990). Die kombinierte gemeinschaftliche Schätzung der beiden Modelle für Gewaltstraftaten und Raubüberfälle erhöht jedoch die statistische Aussagekraft, mit der die Wirkung des Demonstrationsprojekts spezifiziert wird, indem zwei getrennte Modelle für das unterschiedliche dynamische Verhalten der zwei Komponenten für Gewaltstraftaten zugrunde gelegt werden.

 

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